In unserer heutigen Welt, in der visuelle Reize, Töne und Empfindungen allgegenwärtig sind, wird die Bedeutung einer präzisen und fesselnden Sprache immer wichtiger. Die Macht der sinnesspezifischen Sprache ist ein Phänomen, das unsere Wahrnehmung von Informationen beeinflusst. Indem wir unsere Sinne ansprechen, schaffen wir eine lebendige Verbindung zu theoretischen Zielen. In diesem Artikel adressieren wir, wie sinnesspezifische Sprache in Objectives and Key Results (OKRs) integriert wird und warum dies sinnvoll ist.

Die Macht der sinnesspezifischen Sprache

Stellen Sie sich vor, Sie halten einen frischen, leuchtend grünen Granny Smith Apfel in Ihrer linken Hand. Die Schale fühlt sich leicht wachsig an, wie eine Kerze – vielleicht sogar quietschend – und wölbt sich unter Ihren Fingerspitzen. Der Apfel in Ihrer linken Hand ist schwer für seine Größe, was Sie vermuten lässt, dass er sehr saftig ist. Mit dem Zeigefingernagel kratzen Sie an der  Schale und beobachten, wie ein feiner Strahl aus Apfelsaft in die Luft spritzt. Sie halten den grasgrünen Apfel an Ihre Nase und riechen den intensiven Duft.

Jetzt beißen Sie hinein. – Ist etwas passiert?

Hat sich Ihr Gesicht verzogen, weil Sie den sauren Apfelgeschmack erwarteten? Warum sollte Ihnen das passieren, wenn Sie keinen echten Apfel in der Hand halten?

Das ist die Macht der sinnesspezifischen Sprache. Sie macht die Dinge real.

Wir erleben die Welt durch unsere Sinnesorgane. Die äußeren Reize, z.B. ein Sonnenstrahl auf unserer Haut, oder die Stimme einer Kollegin, werden über unser Nervensystem durch elektrische oder chemische Signale in unser Gehirn weitergeleitet. Dort entstehen dann Bilder, Klänge und andere Empfindungen. Diese repräsentieren den äußeren Reiz.

Sinnesspezifische Sprache basiert auf Wörtern, die beschreiben, was wir mit unseren Sinnen wahrnehmen können: was wir sehen, hören, berühren, fühlen, schmecken oder riechen. Im NLP Modell (Neurolinguistisches Programmieren), einer Methode, um psychische Vorgänge und die zwischenmenschliche Kommunikation zu verbessern, wird sinnesspezifische Sprache als VAKOG-System definiert:

V – isuell (sehen)

A – uditiv (hören)

K – inäs­thetisch (berühren/fühlen)

O – l­faktorisch (riechen)

G – us­tatorisch (schmecken)

Wie hilft sinnesspezifische Sprache gute OKRs zu schreiben?

Wir erinnern uns an die Kriterien für gute Objectives: (1) Konkretion, (2) potentielle Messbarkeit (durch die zugehörigen Key Results), (3) Motivation & Erreichbarkeit, (4) Relevanz und (5) Zeitrahmen. Für einige dieser Kriterien ist sinnesspezifische Sprache sehr hilfreich.

Zu gerne verwenden wir in unseren OKRs „Worthülsen“, sprich zweideutige, vage oder unscharfe Formulierungen. Klassische Beispiele sind „effektiv, effizient und innovativ“.  Unterlassen wir die Verwendung solcher Worthülsen und integrieren stattdessen sinnesspezifische Substantive, Adjektive und Adverbien, wird das Objective konkreter und greifbarer.

Werden Objectives in sinnesspezifischer Sprache beschrieben, ist es leichter entsprechende Key Results als messbare Erfolgstreiber zu definieren. Die Formulierung in sinnesspezifischer Sprache dient damit der potentiellen Messbarkeit.

Auch der dritte Vorteil liegt fast auf der Hand. Teams, welche an der Erreichung der Objectives arbeiten, werden motivierter sein Beiträge zur Erreichung eines sprechenden, zeigenden, greifbaren, fühlbaren Objectives zu formulieren. Der zu generierende Wert versteckt sich nicht hinter Worthülsen.

Weiterhin helfen Formulierungen mit sinnesspezifischer Sprache die Relevanz der Objektives auszudrücken. Können die Adressaten des Objectives dieses mit Ihren Sinnen wahrnehmen, ist auch die Bedeutung und Wichtigkeit einfacher ableitbar. Können wir diese nicht zum Ausdruck bringen, so ist zu prüfen, ob das Objective auch das richtige ist.

Ein Beispiel: Sinnesspezifische Sprache in Objectives

Betrachten wir zunächst ein relativ vage formuliertes Quartalsziel eines städtischen Pflegeheims für die Sommermonate (Juli, August und September).

„Die Freizeit der Bewohner:Innen effizienter gestalten.“

Ein Ziel, das so formuliert ist, ist schwer zu messen. Was genau ist Effizienz in diesem Kontext? Die Dinge richtig tun? Gut in dem Objective ist, dass die Zielgruppe explizit genannt ist – die Bewohner:Innen des Pflegeheims. Aber was konkret ist mit Freizeit gemeint? Welche Wirkung wird erreicht mit dem Ziel?

Weiterhin möchten wir aussagekräftige und messbare Indikatoren (Key Results) formulieren können, welche unser Ziel zum erfolg treiben.

Der Versuch sinnesspezifische Sprache anzuwenden wird mittels eines Brainstormings angegangen. Wir denken darüber nach, was die Bewohner:Innen zu sehen, zu berühren, zu riechen oder zu beobachten erwarten würden, wenn ihre Freizeit effizient gestaltet wäre. Und auch denken wir darüber nach, welche Wirkungen (Impact) und/oder Mehrwerte wir für die Bewohner:Innen schaffen möchten. Nach Umformulierung lautet das neue Objective wie folgt:

„Die individuellen Interessen der Bewohner:Innen werden zu ihrer persönlichen Aufheiterung & Freude während der heißen Sommermonate in der bunten Freizeitgestaltung berücksichtigt.“

Wir können uns sofort vorstellen, was dieses Ziel bedeutet. Die heißen Sommermonate können wir erfühlen. Auch das Gefühl und die Erfahrung der Bewohner:Innen, wenn sie ihre Freizeit verbringen ist mit kinästetischer Sprache unterlegt. Wir sehen vor unserem geistigen Auge die Freude in den Gesichtern und ein buntes Freizeitprogramm.

Die Messbarkeit des Objectives wird mit den Key Results unterlegt.

Key Result – 1: Es werden mindestens zwei neue interessenbasierte Freizeitaktivitäten pro Monat eingeführt und von mindestens 50% der Bewohner:Innen aktiv wahrgenommen.

Key Result – 2: Die Teilnahmequote der Bewohner:Innen an den Freizeitaktivitäten steigt um 25% im Vergleich zum Quartal Q3 des Vorjahres.

Key Result – 3: Die Anzahl der von Bewohner:Innen eingereichten Vorschläge für neue Freizeitaktivitäten steigt um 50% im Vergleich zum vorherigen Quartal.

Key Result – 4: Das Pflegepersonal veranstaltet monatlich mindestens ein Event mit Bewohner:Innen, um deren Interessen und Präferenzen besser zu verstehen und darauf basierend Aktivitäten zu planen.

Fazit

Die sinnesspezifische Sprache ist ein kraftvolles Instrument, um Ziele klarer und greifbarer zu gestalten. Sie inspiriert Teams, sich stärker zu engagieren und einen messbaren Mehrwert zu schaffen. Die Verwendung lebendiger Bilder, Klänge und Empfindungen in unseren Zielen setzt eine starke Motivation frei, die uns dabei unterstützt, das Unmögliche möglich zu machen. Die Macht der sinnesspezifischen Sprache hat einen bedeutenden Einfluss auf die Art und Weise, wie wir unsere Ziele setzen und erreichen.